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@@ -121,16 +121,64 @@ Aber nun genug von diesem Riss in unserer Freund­schaft. Ganz unabhängig davon
Auf Aloalo soll einmal eine schwere Kinderkrankheit grassiert haben. Doch als man dann eine Brühe aus einem am Schrein gefangenen, golden schimmernden Fisch zubereitete und diese den betroffenen Kindern verabreichte, ging es ihnen im Nu wieder besser. Und nicht nur das, auch die darauffolgenden Jahre wurde keines der Kinder überhaupt krank. Hieraus entstand schließlich der Brauch, neugeborene Säuglinge einen Schluck der heilenden Brühe trinken zu lassen und für ihre Gesundheit zu beten. Der Name dieses sonderbaren Fisches, aus dem die Brühe gemacht wurde, ist übrigens „Gombessa“, und seine Wirkung lässt sich wohl ganz einfach durch die Nähe seiner Gewässer zu den Götzenstatuen erklären. Es ist davon auszugehen, dass die Macht des Edelsteins besonders intensiv auf ihn wirkt, und als alchemistische Zutat ist der Fisch somit von unermesslichem Wert.
Ich kenne Matsya nun schon von Kindesbeinen an, und doch fühlt es sich so an, als hätte uns diese kleine Unternehmung auf Aloalo zu besseren Freunden gemacht, als wir es jemals waren. Die Zeit, die ich mit ihm und meinem neuen niedlichen Freund Kalika verbringen und die ganzen alchemistischen Zutaten, die ich analysieren darf ... Besser geht es eigentlich gar nicht mehr! Auch diese Notizen hier habe ich ursprünglich nur für Matsya angefangen. Ehe ich mich jedoch versah, hatte ich einen Band voller Erinnerungen niedergeschrieben. Ich danke euch vielmals, meine Freunde. Matsya, Kalika und natürlich meiner fleißigen Abenteurerin. Ohne euch wären diese aufregenden Expeditionen niemals zustande gekommen.",70536,70436
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37,Ein Land des Überflusses,"„Der junge Händler setzte seinen Weg in Richtung des verlassenen Palastes fort, stets begleitet von dem sanften Wind, der ihm den Duft der Natur ins Gesicht wehte.“
In Corvos, im Süden Ilsabards, gibt es wohl niemanden, der nicht schon einmal von „Des Händlers Liebsmüh“ gehört hat - jenes jahrhundertealte Märchen, dessen Verfasser entweder vergessen wurde oder schlicht unbekannt geblieben ist. So lange, wie sich die Geschichte bereits an Beliebtheit erfreut, ist es jedenfalls wenig verwunderlich, dass sich aus ihrer Ursprungsform je nach Region inzwischen vielerlei verschiedene Versionen entwickelt haben.
In Vorbereitung auf unser Abenteuer habe ich mich ins Noumenon begeben und ein wenig recherchiert. Die Versionen, die ich dort fand, wiesen zu meiner Überraschung mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten auf. Lediglich der Aufhänger der Geschichte  - dass sich ein junger Händler für seine Angebetete auf Schatz­suche begibt - und die Darstellung von Corvos als „von Natur gesegnetes, wunderschönes Fleckchen Erde“ waren in allen Ausgaben zu finden. Tatsächlich entspricht dies zu großen Teilen der Realität. Nicht nur ist das Wetter in Corvos angenehm warm, fruchtbarer Boden sorgt für reiche Ernten und folglich volle Mägen, was sich in der Zufriedenheit der Bevölkerung widerspiegelt.
Warum also scheint der Palast, den wir inmitten der blühenden Landschaften vorgefunden haben, vollkommen verlassen zu sein? Viele der Schauplätze in „Des Händlers Liebesmüh“ sind längst vergessene Ruinen und wecken ein Gefühl der Einsamkeit im Leser. So war in einer der Versionen, die ich im Noumenon fand, statt von einem Palast von einem durch Bestien zerstörten Dorf die Rede. Vielleicht wollte uns der Verfasser schlicht und einfach bewusst machen, wie rau und unerbittlich die Natur und ihre Bewohner manchmal sein können.",70537,70437
38,Der fliegende Teppich,"„Der aus feinsten Goldfäden gewebte Teppich glitt still und schimmernd wie eine Sternschnuppe durch den ruhigen Nachthimmel.“
Bei dem Schatz, den wir im Inneren des Palastes geborgen haben, handelt es sich um einen magischen Teppich. Wir hatten beobachtet, wie unsere Gegnerin ihn benutzte, um hin- und herzufliegen, und er schien den Befehlen seiner Herrin aufs Wort zu gehorchen. So verlockend ein Berg von Edelsteinen auch sein mag, die Fähigkeit, durch die Lüfte zu schweben, ist unbezahlbar.
Die junge Angebetete des Händlers erzählte uns, dass ein ehemaliger König von Corvos einst eine Fee dazu verbannt hatte, den Teppich zu erschaffen und ihm so zu seinen magischen Eigenschaften verhalf. Das deckt sich tatsächlich mit dem allgemeinen Glauben in vielen anderen nahöstlichen Regionen zum Ursprung solcher Teppiche. Interessanterweise haben folkloristische Studien ergeben, dass die Legende des besagten Teppichs bereits lange Zeit vor der Verfassung des Märchens existiert hat. „Des Händlers Liebesmüh“ scheint sich somit einer Vielzahl an damals vorherrschenden Folkloren bedient und sie zu etwas Eigenem, Neuem verwoben zu haben. Eine eingehende Studie kann uns sicherlich noch viele kulturwissenschaftlich bedeutende Erkenntnisse über das alte Corvos liefern.
Übrigens: Über die Jahrhunderte kam es immer wieder zu ambitionierten Versuchen, auf Grundlage der Legende ähnliche magische Teppiche zu erschaffen. Es hat zwar gedauert, aber neueste Prototypen sollen sogar Personen transportieren können. Ob man auf ihnen jedoch jemals so entspannt und womöglich gar im Schlaf an sein Ziel reisen kann, steht noch in den Sternen. Ich für meinen Teil bin eine recht unruhige Schläferin und würde wohl einfach runterkullern ...",70538,70438
39,Eine feurige Gegnerin,"„Ein einziger Wimpernschlag und die Pari hatte alles in ein loderndes Flammenmeer gehüllt.“
Unsere letzte Gegnerin, eine Pari, war fast schon lächerlich faul, aber vielleicht wäre ich das auch, wenn ich einen fliegenden Teppich zur Verfügung hätte. Trotzdem hat sie sich heftig gewehrt und es war alles andere als ein leichter Kampf ... Wenn man bedenkt, wie mühelos sie einen Feuerregen auf uns herabregnen ließ, mag ich mir gar nicht vorstellen, was passiert wäre, wenn sie uns ernster genommen hätte ...
Eine im Nahen Osten weit verbreitete Legende erzählt von einem ehemaligen König von Corvos, dem es gelungen sein soll, eine Pari unter seine Kontrolle zu bringen. Er ließ sie magische Teppiche für seinen eigenen Gebrauch herstellen, doch nun, da ich um ihre Macht weiß, kann ich mir nur schwer vorstellen, wie dem König das gelungen sein mag. In meinen Vor­bereitungen auf unser Abenteuer sind mir ab und zu Geschichten untergekommen, in denen magische Wesen durch eine Art Pakt gehorsam gemacht werden konnten. Eine der bekanntesten Vorgehensweisen hierbei war die Folgende: Im ersten Schritt muss der Paktschließer seine friedlichen Absichten vermitteln, anschließend die entsprechende Paktformel aufsagen und schließlich das Wesen mit einer Kunst­fer­tig­keit unterhalten, um es Vertrauen schöpfen zu lassen. Ob das bei unserer Gegnerin funktioniert hätte, wage ich allerdings zu bezweifeln ... Vermutlich wäre sie lange vor Abschluss eines so aufwendigen Rituals einfach eingeschlafen.",70539,70439
40,Der verlockende Duft der Früchte,"„Als Zeichen der Wertschätzung pflückte der junge Händler die sonnenverwöhnte Frucht von einem nahe gelegenen Baum und reichte sie seiner treuen Leibwächterin.“
Die Äpfel und Trauben, die ich während unserer Reise probiert habe, schmeckten ähnlich wie die in Alt-Sharlayan, mit Ausnahme der Konsistenz, die leicht anders war. Das ist natürlich zu erwarten, da die Früchte, die ich normalerweise esse, im Labyrinthos angebaut werden.
Das Klima im Labyrinthos ist tatsächlich dem der Region Corvos im Süden von Ilsabard nachempfunden, weil es sich als ideal für einen Großteil der dort angebauten Früchte herausgestellt hat. Das kommt vermutlich auch daher, dass die meisten dieser Sorten ihren Ursprung in Corvos haben. Seit der Entstehung von „Des Händlers Liebesmüh“ hat sich der Geschmack dieser Früchte allerdings merklich verbessert, was wohl auf mehrere Generationen gezielter Züchtung zurückzuführen ist. Das würde auch erklären, weshalb sie zwar anders, aber gleichzeitig so vertraut schmecken.
Ich habe gehört, dass sich die in Corvos angebauten Pflanzen und Früchte seit der Eroberung des Landes durch die Garlear noch einmal drastisch verändert haben und viele alte Sorten sogar vollständig verloren gegangen sind. Durch das Buch ist es uns nun möglich, jene Sorten zu untersuchen und sogar zu probieren, was es zu einer ungeahnt wertvollen historischen Quelle macht. Ich muss diese Entdeckung unbedingt so bald wie möglich mit einem Bekannten teilen, der an der Magieakademie von Sharlayan Agrarwissenschaften studiert!",70540,70440
41,Das Funkeln des Meeres,"„Meereswogen und glänzende Strandmuscheln wetteiferten darum, wer schöner im Sonnenlicht funkelte.“
Das Blau des Ozeans, das wir tagsüber auf unserem Weg erblickt hatten, erinnerte mich an die Schönheit und Anmut eines Saphirs. Nachts wissen seine Wogen sicher noch ganz andere Farben zu zeigen. Ich habe gehört, dass in einigen Gebieten entlang der Küste der Corvos-Meerenge die Felsen eine blassrosa Färbung aufweisen, die durch eine Mischung aus dem Äther der Umgebung und den Überresten kleiner Organismen entsteht, die sich über viele Jahre hinweg angesammelt haben. Wieder einmal wurde mir bewusst, wie seltsam und faszinierend die Natur sein kann.
Wo ich gerade bei dem Thema „Meer“ bin: Eine der Versionen von „Des Händlers Liebsmüh“, über die ich im Noumenon gestolpert bin, stammte aus Radz-at-Han und hatte eine schillernde Küstenregion zu ihrem Schauplatz erkoren. Und auch der Verlauf der Geschichte unterscheidet sich in großen Teilen von dem, was wir in unserer Version erlebt haben. In jener Ausgabe durchquerten die Figuren eine Korallenhöhle und betraten eine riesige spiralförmige Muschel. Dort nahmen sie die Einladung eines Seesterns an, zum Grund des Ozeans zu reisen, wo der König des Meeres ihnen eine rosa Perle schenkte. Dieser Schatz war es, der schließlich das Herz der jungen Angebeteten bewegte ... oder so! Korallen, Muscheln, Seesterne und Perlen sind uns auf unserem Weg durch das Buch zwar auch begegnet, aber eine besondere Bedeutung schien ihnen nicht innegewohnt zu haben. Das muss aber nicht heißen, dass sie in anderen Versionen des Buches nicht womöglich eine entscheidendere Rolle spielen könnten.",70541,70441
42,Der Schatz vom Meeresgrund,"„Auf einem Sockel aus Korallen thronend, schimmerte das Juwel in den schönsten Farben. Jeder, der es betrachtete, wurde umgehend in seinen Bann gezogen.“
Das Juwel, das die Meerjungfrau hinterlassen hatte, funkelte geheimnisvoll im Licht. Und auch der Sockel aus Korallen, auf dem es befestigt war, konnte sich sehen lassen: ganz in Weiß-, Blau- und Rosatönen, als hätte er alle Farben des Ozeans eingefangen. Sollte dieses Juwel womöglich eine echte Perle sein? Wenn ja, dann müsste sie aus einer riesigen Muschel stammen, was in so nährstoffreichen Gewässern vielleicht gar nicht mal unmöglich wäre. Ich hatte Gelegenheit, die Perle genauer zu untersuchen, und durfte feststellen, dass sie sich in einem makellosen Zustand befand. Selbst unter all den Wundern des Meeres war diese Perle eindeutig ein einzigartiger Schatz.
Doch so schön dieser Schatz auch war, er genügte nicht, um die Leere im Herzen der jungen Frau zu füllen und die Geschichte zu einem guten Ende zu bringen. Ich frage mich, was der Händler nach unserem Austritt aus dem Buch wohl mit der schönen Perle gemacht hat. Hat er sich trotzdem dazu entschieden, sie seiner Liebsten zu schenken? Oder hat er ihren Rat befolgt und ist durch den Verkauf zu unermesslichem Reichtum gelangt? Und dann ist da noch diese Frage, die mich einfach nicht loslässt: Wenn selbst etwas so Schönes nicht der Liebesbeweis war, den seine Angebetete sich erhofft hat, was mag es dann wohl gewesen sein? Vielleicht geht es ihr gar nicht um etwas besonders Prachtvolles, Teures oder gar Seltenes, sondern etwas gänzlich anderes ...?",70542,70442
43,Die Herrscherin des Meeres,"„Aus den Tiefen des Meeres ertönt das Klagelied der Meerjungfrau ... Der junge Händler spürte, wie sich seine Brust mit jedem Vers noch weiter zusammenzog.“
Die Meerjungfrau, die wir zuletzt bekämpft haben, stand in komplettem Kontrast zu unserem vorigen Gegner. Ihre Augen waren von einer solchen Traurigkeit erfüllt ... Selbst wenn es nur eine Erfindung der Geschichte war, komme ich nicht umhin, mich zu fragen, welche Last sie auf ihren Schultern trug.
Meerjungfrauen tauchen übrigens in vielerlei Legenden und Sagen überall auf der Welt auf, nicht nur in Corvos. In manchen werden sie als verführerische Täuscherinnen dargestellt, die ihre Opfer in den sicheren Tod locken, in anderen als neugierige Meeresbewohnerinnen, die wissbegierig den Austausch mit uns suchen. Vielleicht wäre es also auch möglich, je nach Verlauf der Ereignisse mit der Meerjungfrau in „Des Händlers Liebesmüh“ zu kommunizieren und die Handlung zu einem glücklicheren Ende für alle zu lenken.
Während unseres Kampfes nutzte sie ihren Gesang, um andere Meeresbewohner an ihre Seite zu rufen und zu befehligen. Daraus lässt sich schließen, dass sie wohl eine besondere Affinität zur Musik hat. Wenn wir also schon keine gemeinsame Sprache sprechen, könnte womöglich eine Melodie unsere Gefühle vermitteln. Allerdings fällt mir keine Methode ein, wie wir Lieder durch das Wasser an ihr Ohr tragen könnten. Es muss doch irgendeine Möglichkeit geben ...",70543,70443
44,Die Schätze des Meeres,"„Der junge Händler betrachtete das schimmernde Wasser vor sich und war überzeugt davon, dass es unermessliche Reichtümer bergen musste.“
Zugegeben, ich lasse mich schnell von einer schönen Landschaft beeindrucken. Aber der Ort, der sich uns als nächstes offenbarte, hätte selbst die stoischste Seele sprachlos gemacht: Eine Bucht, in der dichte Algen wuchsen und sanft in der Strömung des Wassers tanzten, überall glitzernde und schimmernde Fische, die ihre Runden schwammen, und sogar eine Krabbe schien uns mit angehobener Schere begrüßen zu wollen - eine wahre Schatzkammer des Unterwasserlebens! Ein geübter Koch könnte problemlos allein mit den Zutaten dieses Ortes ein wahres Festmahl zaubern.
Umso mehr verwunderte es mich, dass uns nicht ein einziger Fischer über den Weg gelaufen ist. Ich nehme an, das lag wohl auch an den angriffslustigen Kreaturen, auf die wir gestoßen sind. Ähnlich wie der Protagonist aus „Des Händlers Liebesmüh“ verfüge ich über keinerlei Kampf­erfahrung, daher war ich umso erleichterter, eine derart erfahrene Leibwächterin an meiner Seite zu haben.
Wir haben zwar in dieser schönen Bucht niemanden angetroffen, aber das muss noch lange nicht heißen, dass es in der Gegend vielleicht nicht doch irgendwo eine Siedlung gegeben haben könnte. Je weiter ich diese Möglichkeit in meinen Gedanken erforsche, umso mehr packt mich meine Neugier und dieser unbändige Drang, mehr über die Lebensart der Bewohner dort und vor allem ihre Kochkünste zu erfahren. Wirklich zu schade ...",70544,70444
45,Das Tal der Extreme,"„In dem Tal schienen jegliche Gesetze der Natur außer Kraft gesetzt worden zu sein. Die größten Felsen schwebten in der Luft, während sich die kleinsten Steinchen tief in die Erde bohrten.“
Von all den fantastischen Orten, die wir bisher gesehen haben, hat das Tal eindeutig den nachhaltigsten Eindruck hinterlassen. Die Felsen dort sind von einer seltsamen magnetischen Energie umgeben, die sie in Verbindung mit dem umgebenden Äther schweben lässt, als wären sie federleicht. Doch sobald dieses empfindliche Gleichgewicht auch nur für einen Moment gestört wird, stürzen die Felsen zu Boden. Ich habe wirklich noch nie etwas Vergleichbares gesehen.
An diesem einzigartigen Ort in den Tiefen des Tals trafen wir auf eine ebenso einzigartige Gegnerin eine einsame Schwertkämpferin. Sobald wir uns ihr näherten, griff sie an, als hätte sie schon lange auf einen würdigen Gegner gewartet. Im Nahen Osten ist es eigentlich üblich, sich mit einer respektvollen Verbeugung zu begrüßen, doch in diesem Fall hätten wir uns wohl von unseren Köpfen verabschieden müssen, wenn wir dieser Tradition gefolgt wären.
Nach unserer Heimkehr aus der Geschichte habe ich ein wenig nachgeforscht. Im alten Corvos soll es eine Gruppe von Meistern einer legendären Schwertkunst namens „Unbeugsame Klinge“ gegeben haben, die ein ganz ähnliches Tal für die Ausbildung an der Klinge genutzt hat. Jeder, der einen Fuß in jenes Tal setzte, musste kämpfen, auch wenn er kein Krieger war. Nur wer es schaffte, lebendig aus diesem Ort herauszukommen, wurde als wahrer Schwertmeister anerkannt. Nichts für schwache Gemüter, diese Ausbildung ...",70545,70445
46,Eine reich verzierte Klinge,"„Die imposante Klinge des Schwertes war mit unzähligen, filigranen Gravuren versehen.“
Der Schatz, den wir aus dem Tal mit nach Hause brachten, war die Klinge der Schwertmeisterin, die wir dort besiegt hatten. Allein schon die filigranen Verzierungen des Schwertes machen es zu einem wahren Kunstwerk, aber es sind die in die Klinge eingravierten Muster, die mich besonders faszinierten. Bei der uralten Technik „Unbeugsame Klinge“, die seit jeher in der Region Corvos weitergegeben wurde, wird Äther in die Waffe geleitet, um magische Angriffe ausführen zu können. Wahrscheinlich dienten die Muster auf der Klinge dazu, den Äther zu verdichten und so die Schlagkraft dieser machtvollen Technik zu verstärken.
Dieser Hintergrund erklärt auch, warum ausgerechnet dieses Tal zu einem Übungsplatz für angehende Schwertmeister wurde. Die Felsen dort waren so stark magnetisiert, dass sie in der Luft schwebten. Vermutlich übten die angehenden Schwertmeister, die Felsen bei schwachem Magnetismus mithilfe von Blitzäther und starken Magnetismus mithilfe von Erdäther anzuheben. Eine solch präzise Beherrschung des Äthers dürfte ihnen dabei geholfen haben, die alte Geheimtechnik zu meistern.
Auf unserer Reise durch die Geschichte habe ich hier und da ganz ähnliche Felsen wie die im Tal gesehen. Ich frage mich, was passieren wäre, wenn wir sie mit Äther geladen hätten? Zumindest hätten wir einen Eindruck von der anstrengenden Ausbildung bekommen, die die Schwertmeister durchlaufen mussten.",70546,70446
47,Die Meister der Unbeugsamen Klinge,"„Die Schwertmeister führten nur eine Klinge, doch ihre Angriffe trafen aus allen Richtungen.“
Unser letzter Kampf war gegen eine Meisterin einer Schwertkunst namens „Unbeugsame Klinge“, die aus Corvos stammt. Niemals hätte ich mir vorstellen können, eine Schwertmeisterin von solcher Anmut und mit einem solchen Kampfgeschick mit eigenen Augen bestaunen zu dürfen. In der realen Welt wurden die Meister der „Unbeugsamen Klinge“ einst im Krieg gegen die Garlear systematisch getötet. Zwar gab es einige wenige Überlebende, doch sie rebellierten gegen ihre Unterdrückung und wurden daraufhin vernichtet, bis auch der letzte Schwertmeister eines grausamen Todes starb ... Es wird erzählt, dass die Schwertmeister von Corvos zu ihrer Blütezeit ihre Fä­hig­kei­ten als Zeichen der Loyalität gegenüber der königlichen Familie regelmäßig zur Schau stellten. Doch inzwischen ist auch diese Tradition längst in Vergessenheit geraten.
Da kommt mir eine Szene in den Sinn, die ich in einer Version von „Des Händlers Liebesmüh“, die speziell an Kinder gerichtet ist, gelesen habe. Dort erreichen die Helden der Geschichte eine Bühne, die in allen Farben des Regenbogens erstrahlte. Diese Bühne war allerdings nicht für die königliche Familie erbaut worden, sondern ein zeremonieller Ort, um anderen Völkern gegenüber Freund­schaft und Wohlwollen zu bekunden. Wie diese Zeremonien wohl ausgesehen haben könnten? Wenn wir den kulturellen Hintergrund der Geschichte verstehen, könnten wir in der Lage sein, die Wendungen der Erzählung vorauszusehen und diese Gabe zu nutzen, um die Handlung des Buches zu beeinflussen.",70547,70447
48,Leben unter rauen Bedingungen,"„Wo die Gesetze der Natur keine Anwendung finden, kann jeder Fehltritt tödlich sein.“
Das Leben findet irgendwie immer einen Weg, selbst in den rauesten Umgebungen zu gedeihen. Und hier kommt meine persönliche Theorie ins Spiel: Die widerstandsfähigsten sind in der Regel auch die schmackhaftesten. Die Pilze, die an den Wänden der Schlucht wachsen, sind ein perfektes Beispiel dafür. Sie sahen aus wie gewöhnliche Steine und fühlten sich auch so an, aber sobald ich sie im Mund hatte, schmolzen sie förmlich auf meiner Zunge. Was für eine Offenbarung, eine wahre Delikatesse! Und so aromatisch! Mit ihrem intensiven Aroma eignen sie sich bestimmt als wunderbare Würze, um den Geschmack verschiedener Gerichte zu verfeinern.
Nach unserer Rückkehr habe ich mich gleich auf die Suche nach einem Gegenstück in unserer Welt gemacht. Und ich habe tatsächlich einen Pilz gefunden, der dem aus der Schlucht zum Verwechseln ähnlich sieht! Allerdings war dabei vermerkt, dass er eine starke halluzinogene Wirkung haben soll ... Möglicherweise war das bei den Exemplaren aus der Schlucht nicht der Fall, weil die Welt in dem Buch von vornherein eine Illusion ist. Unabhängig davon wurde mir wieder bewusst, wie gefährlich es sein kann, unbekannte Pflanzen zu verzehren. Man sollte sich wirklich nicht alles in den Mund stecken, was lecker aussieht, das habe ich mir jetzt zu Herzen genommen ...",70548,70448
49,Der wahre Schatz,"„Am Ende war es ein alter Teller, der das Herz der jungen Frau zutiefst berührte.“
Die verbrannten Ruinen am Meer waren in Wirklichkeit einst das Zuhause der jungen Angebeteten des Händlers. Es scheint, dass die damaligen Dorfbewohner eine Art Gemeinschaft mit den Meeres­be­wohnern pflegten und einen Altar nutzten, um mit ihnen zu interagieren und verschiedene Waren zu tauschen ... Bis zu jenem Tag, als der schreckliche Dandan auftauchte und die Tage des Friedens jäh beendete. Einige Geschichten erzählen von einem tapferen jungen Mann, der sich in die Berge zurückzog, um seinen Körper und Geist zu stählen, um das furchterregende Ungeheuer besiegen zu können, doch als er zurückkehrte, war es bereits zu spät: Das Dorf und seine Bewohner waren Geschichte.
Ihrer Familie und ihres Zuhauses beraubt, irrte die junge Frau ziellos umher, bis sie die Stadt erreichte, in der das Buch beginnt.
Kein Schatz der Welt vermochte ihren Kummer zu lindern. Einzig und allein der verrußte Teller, der tröstende Erinnerungen an ihre Liebsten in sich trug, ließ sie den Schmerz überwinden und mit neuem Mut in die Zukunft blicken. Und der junge Händler, der sein Leben für sie riskiert hatte, hatte sich in ihren Augen als vertrauenswürdiger Begleiter erwiesen.
Die Hauptaufgabe eines Klaubers besteht darin, gewünschte Gegenstände zu beschaffen. Manchmal kommt es allerdings vor, dass ein Kunde selbst nicht weiß, was er wirklich will. Und heute weiß ich, wie bedeutsam die Lektion meines Vaters war: Die Fähigkeit, aufmerksam zuzuhören und zwischen den Zeilen zu lesen, um herauszufinden, was für einen Kunden wirklich von unschätzbarem Wert ist  - das ist es, was einen herausragenden Klauber ausmacht.",70549,70449
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